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<title>Genitiv</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Genitiv</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der <b>Genitiv</b> [<style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r227981795">
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</style><span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA"><a href="Liste_der_IPA-Zeichen" title="Liste der IPA-Zeichen"><span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)" lang="zxx">ˈɡeːnitiːf</span></a></span></span>] (auch [ˈɡɛnitiːf]), seltener <b>Genetiv</b>, veraltet <b>Genitivus</b>, <b>Genetivus</b>, von <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a></span> <span lang="la-Latn" style="font-style:italic">[casus] genitivus/genetivus</span> <span lang="de" style="font-style:normal;font-weight:normal">‚die Abstammung bezeichnend[er Fall]‘</span>, auch <b>Wes-Fall</b> oder <b>Wessen-Fall</b>, veraltet <b>Zeugefall</b>, ist ein <a href="Kasus" title="Kasus">Kasus</a>. Viele Grammatiken des Deutschen folgen einer traditionellen Anordnung der Fälle, in der dann der Genitiv als <b>2. Fall</b> bezeichnet wird.
</p><p>Die typischste Funktion des Genitivs ist die Markierung von <a href="Attribut_(Grammatik)" title="Attribut (Grammatik)">Attributen</a>, also von <a href="Substantiv" title="Substantiv">Substantiven</a> bzw. Substantivgruppen, die von einem anderen Substantiv <a href="Rektion" title="Rektion">abhängen</a>. Beispiele im <a href="Standarddeutsch" title="Standarddeutsch">Standarddeutschen</a> sind: „das Haus <i>des Nachbarn</i>“, „der Klang <i>einer fernen Glocke</i>“. Daneben tritt der Genitiv auch bei Ergänzungen von Präpositionen, Adjektiven und Verben auf sowie in bestimmten adverbiellen Funktionen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Der_Genitiv_im_Deutschen">Der Genitiv im Deutschen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Genitiv_zur_Markierung_von_Attributen"><span id="Attribut"></span> Genitiv zur Markierung von Attributen</h3></div>
<p>Der Genitiv steht in den meisten Konstruktionen in Verbindung zu einem anderen <a href="Substantiv" title="Substantiv">Substantiv</a> (oder Nomen), von dem er abhängt. Dies kann als ein Fall von <a href="Rektion" title="Rektion">Rektion</a> beschrieben werden: In dem Beispiel „das Haus <i>des Nachbarn</i>“ <i>regiert</i> dann das Substantiv „Haus“ sein Genitiv-Attribut „des Nachbarn“, die Zuweisung der Genitivform hängt also von dem ersten Substantiv ab.
</p><p>Dieser <i>attributive Genitiv</i> wird im heutigen Deutsch üblicherweise nachgestellt:
</p>
<ul><li>die Segel <i>des Schiffes</i></li>
<li>der Bauch <i>des Architekten</i></li></ul>
<p>In bestimmten Fällen wird er jedoch vorangestellt, vor allem bei Eigennamen und gleichwertigen Ausdrücken. Dann entfällt beim Bezugssubstantiv der Artikel, und Adjektive nach solchen vorangestellten Genitiv-Attributen werden stark dekliniert.
</p>
<ul><li><i>Marias</i> Freundin (nicht: die Freundin Marias)</li>
<li><i>Annas</i> lustiger Hund</li>
<li><i>Vaters</i> neues Auto</li></ul>
<p>Im älteren Deutsch war der vorangestellte Genitiv stärker verbreitet, Reste davon finden sich in der Gegenwartssprache noch in festen Wendungen, Sprichwörtern und dergleichen; andere Fälle sind selten (siehe jedoch den letzten Beleg in der folgenden Liste).
</p>
<ul><li>Ich bin bei euch alle Tage bis an <i>der Welt</i> Ende. (Luther und Zürcher Bibel; <a href="Einheits%C3%BCbersetzung" title="Einheitsübersetzung">Einheitsübersetzung</a> hingegen: „… bis zum Ende der Welt.“)</li>
<li>Viele Hunde sind <i>des Hasen</i> Tod.</li>
<li>Der Mensch ist <i>des Menschen</i> Wolf.</li>
<li>Das ist <i>des Rätsels</i> Lösung.</li>
<li><i>Des Knaben</i> Wunderhorn</li>
<li><i>Des Kaisers</i> neue Kleider</li>
<li><i>meines Vaters</i> Haus</li>
<li><i>meiner Tochter</i> Kleid</li>
<li>„<i>Des Weltmeisters</i> Gedächtnis lässt bereits nach“ (Überschrift in der Neuen Zürcher Zeitung vom 23. Juli 2018, S. 35)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Genitiv_als_Objekt-Kasus_bei_Verben">Genitiv als Objekt-Kasus bei Verben</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→ </span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Objekt_(Grammatik)#Formen_von_Objekten_im_Deutschen" title="Objekt (Grammatik)">Objekt (Grammatik) #Formen von Objekten im Deutschen</a></i></div>
<p>Einige <a href="Verb" title="Verb">Verben</a> regieren ein Objekt im Genitiv oder können dies zumindest in gehobenem oder altertümlichem Stil. Beispiele sind: <i>bedürfen, entbehren</i> (oft auch mit Akkusativ), <i>ermangeln, gedenken, harren, pflegen</i> (nur noch altertümlich: <i>der Ruhe pflegen</i>), <i>spotten, sich annehmen, sich bedienen, sich besinnen, sich erfreuen</i> (älter auch: <i>sich freuen</i>), <i>sich erinnern, sich rühmen, sich schämen</i>. Früher standen auch die Objekte der Verben <i>vergessen</i> (noch im Pflanzennamen <i>Vergiss<b>mein</b>nicht</i> erhalten), <i>schonen, warnen, warten</i> und <i>steuern</i> im Genitiv, was noch in älteren Texten zu finden ist.
</p><p>Satzbeispiele: „Sie gedenken der Freunde.“ „Sie erinnert sich ihres letzten Urlaubs.“ „Er spottete der Anwesenden.“ „<a href="Freut_euch_des_Lebens_(Begriffskl%C3%A4rung)" class="mw-disambig" title="Freut euch des Lebens (Begriffsklärung)">Freut euch des Lebens</a>.“ „Er erfreut sich bester Gesundheit.“ „Ich bediene mich des Genitivs.“
</p><p>Bei einigen dieser Verben ist es auch möglich, eine Präposition anstatt der Genitivkonstruktion zu verwenden: „Sie erinnert sich an ihren letzten Urlaub.“ – „Sie erfreuen sich an den Blumen.“
</p><p>Bei zahlreichen Verben der Rechts- und Gerichtssprache steht die Person im <a href="Akkusativ" title="Akkusativ">Akkusativ</a> und die Sache im Genitiv (vgl. den <a href="#Genitivus_criminis"><span lang="la">genetivus criminis</span></a> in der <a href="Latein" title="Latein">lateinischen</a> Sprache). Beispiele sind: <i>jemanden einer Sache verdächtigen, anklagen, beschuldigen, bezichtigen, zeihen, überführen;</i> aber auch <i>jemanden einer Sache berauben, entheben, entsetzen, verweisen</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Genitiv_und_substantivierte_Verben">Genitiv und substantivierte Verben</h3></div>
<p>„<a href="Substantivierung" title="Substantivierung">Substantivierte Verben</a>“ sind Substantive, die aus Verben <a href="Derivation_(Linguistik)" title="Derivation (Linguistik)">abgeleitet</a> sind; hier ist der Genitiv aus unabhängigen Gründen zu erwarten, da die <a href="Rektion" title="Rektion">Rektion</a> des zugrundeliegenden Verbs nicht mehr aktiv ist. Akkusativobjekte des zugrundeliegenden Verbs entsprechen nach der Ableitung dann einem Genitiv der Substantivierung. Beispiel: „die Lebensmittel zu verteilen“ → „die Verteilung <i>der Lebensmittel</i>“
</p><p>In manchen Fällen kann ein Genitiv bei einer Substantivierung jedoch auch dem Subjekt des Verbs entsprechen: „der Zug hält“ → „der Halt <i>des Zuges</i>“. Die Bezeichnungen <i><a href="Genitivus_subiectivus" class="mw-redirect" title="Genitivus subiectivus">genitivus subiectivus</a></i> bzw. <i><a href="Genitivus_obiectivus" class="mw-redirect" title="Genitivus obiectivus">genitivus obiectivus</a></i> für Genitiv-Attribute unterscheiden nicht, ob es sich um grammatische Entsprechungen zu zugrundeliegenden Subjekten und Objekten des Verbs (bei substantivierten Verben) handelt, oder um gleichartige Bedeutungsbeziehungen im Zusammenhang mit einfachen, unabgeleiteten Substantiven.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Genitiv_bei_Adjektiven">Genitiv bei Adjektiven</h3></div>
<p>Auch eine Reihe von <a href="Adjektiv" title="Adjektiv">Adjektiven</a> kann den Genitiv regieren, etwa <i>bar, begierig, bewusst, eingedenk, fähig, frei, froh, fündig, gedenk, gewahr, gewärtig, gewiss, gewohnt, habhaft, kundig, ledig, mächtig, müde, satt, schuldig, sicher, teilhaft, teilhaftig, überdrüssig, unbenommen, unbeschadet, ungeachtet, ungedenk, unkund, unkundig, unteilhaft, unweit, unwert, unwürdig, verdächtig, verlustig, voll, voller, weitab, wert, würdig.</i> In manchen Fällen kommt das Genitivobjekt allerdings nur noch in stehenden Wendungen vor.
</p><p>Satzbeispiele: „Er ist bar jeglichen Verstandes.“ „Ich bin mir dessen bewusst.“ „Sie ist des Lebens froh, müde, überdrüssig.“ „Sie ist sich der Sache gewiss.“ „Er ist des Verbrechens schuldig.“ „Sie sind dessen nicht würdig.“ Siehe auch Rudolf Hermanns <i><a href="https://de.wikisource.org/wiki/Allgemeines_Deutsches_Kommersbuch:296#652" class="extiw external" title="s:Allgemeines Deutsches Kommersbuch:296">Angewandte Grammatik</a></i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Genitiv_bei_Präpositionen"><span id="Genitiv_bei_Pr.C3.A4positionen"></span>Genitiv bei Präpositionen</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Standard">Standard</h4></div>
<p>Auch mit vielen deutschen <a href="Pr%C3%A4position" title="Präposition">Präpositionen</a> findet sich der Genitiv. Manche von ihnen repräsentieren einen „geschraubten“ <a href="Kanzleistil" title="Kanzleistil">Kanzleistil</a>. Im Laufe der Sprachgeschichte hat sich die Zahl der Präpositionen, die den Genitiv verlangen, stark erhöht, sei es infolge der Entwicklung vom Substantiv zur Präposition (etwa „Trotz“ zu „trotz“), infolge von <a href="Zusammenr%C3%BCckung" title="Zusammenrückung">Univerbierung</a> (etwa „mit Hilfe“ zu „mithilfe“) oder aber infolge des Wechsels der Rektion (etwa im Fall von „längs“).
</p><p>Präpositionen, die mit Genitiv konstruiert werden können, sind:
</p>
<dl><dd><i>abseits, abzüglich, anfangs, angesichts, anhand, anlässlich, anstatt, anstelle, aufgrund, ausgangs, ausschließlich, außerhalb, auswärts, ausweislich, behufs, beiderseitig, beiderseits, beidseits, bergseits, betreffs, bezüglich, binnen, dank, diesseits, eingangs, einschließlich, einwärts, ende, exklusive, im Falle, fernab, gelegentlich, halber, hinsichtlich, hinsichts, infolge, inklusive, inmitten, innerhalb, innert, inwärts, jenseits, kraft, längs, längsseits, laut, linkerhand, linkerseits, links, linksseitig, mangels, mithilfe, mittels, namens, nördlich, nordöstlich, nordwestlich, ob</i> (veraltet, etwa in: <i>ob des erlittenen Verlustes), oberhalb, östlich, im Rahmen, rechterhand, rechts, rechtsseitig, seitab, seitwärts, seitens, seitlich, statt, an … statt, südlich, südöstlich, südwestlich, trotz, um … willen, unterhalb, aus Ursachen, vermittels, vermöge, vonseiten, vorbehaltlich, während, wegen, westlich, zeit, zufolge, zugunsten, zulasten, zuseiten, zuungunsten, zuzüglich, zwecks.</i></dd></dl>
<p>Die Genitivrektion der Präpositionen aus obiger Liste ist teilweise schwankend, in etlichen Fällen ist auch Dativ eine Variante, die je nach Stilniveau oder Dialekt eintreten kann. Zudem gibt es eine Gruppe von Präpositionen, die den Dativ oder Akkusativ fordern, wenn sie nachgestellt stehen (also präziser gesagt als <a href="Postposition" title="Postposition">Postpositionen</a> auftreten), und nur bei Voranstellung den Genitiv regieren können: <i>den Fluss entlang – entlang des Flusses.</i> Ein anderes Muster zeigt jedoch <i>wegen</i> (<i>wegen dem Unfall / des Unfalls – des Unfalls wegen);</i> oder in älterem Deutsch nachgestelltes <i>ohne,</i> das den Genitiv regierte und noch in dem Wort <i>zweifelsohne</i> erhalten ist.
</p><p>Es gibt Übergänge zwischen Präpositionen und Konjunktionen. Beispielsweise kann <i>anstatt</i> auch als Konjunktion verwendet werden und regiert dann keinen Kasus, sondern der darauf folgende Kasus hängt vom Verb ab: <i>Er betrat den Garten anstatt den Hof.</i> (Siehe auch im Artikel <a href="Konjunktion_(Wortart)#Abgrenzung_von_Präpositionen" title="Konjunktion (Wortart)">Konjunktion (Wortart) #Abgrenzung von Präpositionen</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Umgangssprachliche_und_standardsprachliche_Ersetzungen_sowie_gegenläufige_Entwicklungen"><span id="Umgangssprachliche_und_standardsprachliche_Ersetzungen_sowie_gegenl.C3.A4ufige_Entwicklungen"></span>Umgangssprachliche und standardsprachliche Ersetzungen sowie gegenläufige Entwicklungen</h4></div>
<p>Bei gängigen <a href="Pr%C3%A4position" title="Präposition">Präpositionen</a> wie <i>während, trotz</i> und <i>wegen</i><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wird der Genitiv in der <a href="Umgangssprache" title="Umgangssprache">Umgangssprache</a> sowie zum Teil in der Standardsprache<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> auch durch den Dativ ersetzt.
</p><p>In der Standardsprache wird der Genitiv bei Präpositionen immer durch den Dativ ersetzt, wenn ein Substantiv im Plural weder durch einen Artikel noch ein Adjektiv mit Fallendungen begleitet wird und somit am Substantiv allein nicht zu erkennen ist, dass es im Genitiv steht, weil die Form des Genitivs Plural mit der Form des Nominativs Plural übereinstimmt. So heißt es zwar <i>wegen Hagels</i> mit in den Genitiv gesetztem Substantiv, pluralisch dagegen <i>wegen Hagelschauern</i> – hier muss der Dativ stehen, da der Genitiv im Plural („Hagelschauer“) allein am Substantiv nicht erkannt werden kann.
</p><p>Doch auch die umgekehrte Entwicklung ist zu beobachten, die als <a href="Hyperkorrektur#Hyperkorrekter_Genitiv" title="Hyperkorrektur">Hyperkorrektur</a> bezeichnet werden kann. Im Bemühen um einen besonders gehoben und offiziell erscheinenden Sprachstil in Rundfunk und Presse werden gelegentlich Präpositionen, die in der <a href="Standardsprache" title="Standardsprache">Standardsprache</a> den Dativ <i>(entsprechend, entgegen, gegenüber, gemäß, nahe)</i> oder den Akkusativ <i>(betreffend, wider)</i> verlangen, auch mit dem Genitiv verbunden.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch entwachsen in der <a href="Kanzleisprache" title="Kanzleisprache">Kanzleisprache</a> aus Hauptwörtern neu gebildete Präpositionen, etwa <i>behufs, kraft, seitens</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Besonderheiten_der_Formenbildung_und_Schreibung">Besonderheiten der Formenbildung und Schreibung</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Wortstämme_auf_-s"><span id="Wortst.C3.A4mme_auf_-s"></span>Wortstämme auf <i>-s</i></h4></div>
<ul><li>Wenn ein Eigenname auf einen S-Laut endet und kein Artikel, <a href="Possessivpronomen" class="mw-redirect" title="Possessivpronomen">Possessivpronomen</a> oder dergleichen davor steht, wird zur schriftlichen Kennzeichnung des Genitivs gemäß <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.korrekturen.de/regelwerk/zeichensetzung4.shtml#P96">§ 96</a> der Regeln zur Deutschen Rechtschreibung der <a href="Apostroph" title="Apostroph">Apostroph</a> verwendet. Endungen können folgende sein: <b>s</b> <i>(Klaus’)</i>, <b>ss</b> <i>(Grass’)</i>, <b>ß</b> <i>(Weiß’)</i>, <b>tz</b> <i>(Katz’)</i>, <b>z</b> <i>(Merz’)</i>, <b>x</b> <i>(Marx’)</i> und <b>ce</b> <i>(Bruce’)</i>.
<ul><li>Die genannten Buchstaben bilden nur dann den Genitiv durch Apostrophierung, wenn ihnen auch tatsächlich der Laut [s] entspricht oder er stumm bleibt; wenn nicht, wird in der geschriebenen ebenso wie in der gesprochenen Sprache ganz normal ein <i>s</i> angehängt, so etwa <i>Milošević<b>s</b></i>, nicht <i>*Milošević<b>’</b></i> (ebenso wie <i>Millowitsch<b>s</b></i>, nicht <i>*Millowitsch<b>’</b></i>) oder <i>Beneš<b>s</b></i>, nicht <i>*Beneš<b>’</b></i> (ebenso wie <i>Bausch<b>s</b></i>, nicht <i>*Bausch<b>’</b></i>).
<ul><li>Eine Ausnahme hiervon stellen lediglich Wörter dar, die auf eines der <a href="Graphem" title="Graphem">Grapheme</a> enden, das stumm bleibt. Es wird <i>Jacques’</i> (und nicht <i>*Jacquess</i>) oder <i>Giraudoux’</i> (und nicht <i>*Giraudouxs</i>) geschrieben, obwohl in der gesprochenen Sprache durchaus ein [s] angehängt wird ([ˈʒak+s]).</li></ul></li>
<li>Da der Genitiv im Deutschen markierungspflichtig ist, kann der Apostroph bei nachgestellten Genitiven nicht verwendet werden. So ist in dem <a href="Syntagma" title="Syntagma">Syntagma</a> <i>Klaus’ Hund</i> an Wortstellung und Intonation zu erkennen, dass <i>Klaus</i> hier im Genitiv steht; in dem Syntagma <i>der Hund Klaus</i> ist jedoch <i>Klaus</i> nur als der Name des Hundes interpretierbar, und dies kann auch nicht dadurch geändert werden, dass <i>Klaus</i> ein Apostroph hinzufügt wird: <i>*der Hund Klaus’</i> wäre beim Lesen zwar verständlich, aber ein nicht auszusprechender Text.</li>
<li>Sollen stilistisch schwierige Genitive von <a href="Eigenname" title="Eigenname">Eigennamen</a>, die auf einen S-Laut enden, wie <i>Klaus’ Freund Thomas</i> oder <i>Marx’ „Kapital“</i> vermieden werden, so kann auf die veraltende Genitivbildung mit <i>-ens</i> zurückgegriffen werden: <i>Klausens Freund Thomas, Marxens „Kapital“</i>.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ferner ist in diesem Fall auch die Umschreibung mit <i>von</i> möglich (analytische Formbildung: <i>Thomas, der Freund von Klaus, „Das Kapital“ von Marx</i>).</li></ul></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Schreibung_mit_Apostroph">Schreibung mit Apostroph</h4></div>
<p>Die Abtrennung des <i>s</i> durch <a href="Apostroph" title="Apostroph">Apostroph</a> beim Genitiv ist im Deutschen nicht mehr üblich. Sie war bis ins 19. Jahrhundert auch in der geschriebenen und gedruckten deutschen Hochsprache noch verbreitet, von der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurden die Werke <a href="Immanuel_Kant" title="Immanuel Kant">Kants</a> sogar im 20. Jahrhundert noch unter dem Titel „Kant’s Gesammelte Schriften“ herausgegeben. Mit der <a href="Orthographische_Konferenz_von_1901" title="Orthographische Konferenz von 1901">Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901</a> galt dies als Fehler. Nach <a href="Neue_Rechtschreibung" class="mw-redirect" title="Neue Rechtschreibung">reformierter Rechtschreibung</a> (§ 97E der amtlichen Regelung) ist es seit 1996 erlaubt, bei Personennamen vor deren Genitivendung <i>-s</i> einen Apostroph einzufügen, um damit die Grundform zu verdeutlichen: <i>Carlo’s Taverne</i>.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Varianten_des_Genitiv-s">Varianten des Genitiv-<i>s</i></h4></div>
<ul><li>Bei männlichen und sächlichen Substantiven kann in vielen Fällen (ähnlich wie im <a href="Dativ#Dativ-e" title="Dativ">Dativ Singular</a>) ein „flüchtiges <a href="E" title="E">e</a>“ auftreten. So sind zwei Genitivvarianten möglich. Beispiel: „des Baums“ oder „des Baumes“. Manchmal ist diese Erweiterung obligatorisch: Bspw. „des Schlusses“.</li>
<li>In <a href="Poetik" title="Poetik">dichterischer Sprache</a> und fest gefügten Wendungen werden von <a href="Pronomen" title="Pronomen">Pronomen</a> noch die älteren, kürzeren Genitivformen verwendet, die seit dem 16. Jahrhundert seltener wurden:<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <i><b>Wes</b> Brot ich ess, <b>des</b> Lied ich sing.</i></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Andere_Arten_der_Genitivmarkierung">Andere Arten der Genitivmarkierung</h4></div>
<p>Der Possessivgenitiv kann im Deutschen durch präpositionale Fügungen mit <i>von</i> ersetzt werden (also: <i>die Werke von Goethe</i>). Dies geschieht vor allem in der Umgangssprache. Außerdem wird durch die Konstruktion mit <i>von</i> regelmäßig die Unbestimmtheit von Pluralausdrücken wiedergegeben, wenn der Genitiv nicht durch ein Adjektiv- oder Zahlattribut markiert werden kann: <i>das Geschrei von Gänsen</i> (<i>das Geschrei der Gänse</i> beinhaltet nicht die Unbestimmtheit) oder <i>eine Mutter von vier Kindern</i>. Einige Zahlwörter haben zwar eigene Genitivformen <i>(zweier, dreier, hunderter, tausender, zehntausender),</i> die jedoch (vor allem in der Umgangssprache) oft vermieden werden <i>(eine Mutter von drei Kindern</i> anstatt <i>eine Mutter dreier Kinder)</i>.
</p><p>Stehen mehrere Attribute nebeneinander, werden die Genitiv- und die <i>von</i>-Konstruktionen zur stilistischen Variation benutzt <i>(am Tag von Marias Hochzeit</i> anstatt <i>am Tag der Hochzeit Marias)</i>.
</p><p>Ein anderer Fall ist, dass in festen Wendungen mit Namen der Genitiv durch ein mit dem <a href="Suffix" title="Suffix">Suffix</a> <i>-sch</i> (aus <i>-isch</i>) gebildetes <a href="Adjektiv" title="Adjektiv">Adjektiv</a> ersetzt werden kann: statt <i>Verner<b>s</b> Gesetz</i> heißt es <i>verner<b>sches</b> Gesetz</i> oder <i>Verner’<b>sches</b> Gesetz</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vorkommen_und_Ersatz_des_Genitivs_in_den_deutschen_Dialekten"><span id="Bildung_und_Verwendung_in_deutschen_Dialekten"></span>Vorkommen und Ersatz des Genitivs in den deutschen Dialekten</h3></div>
<p>In den meisten <a href="Deutsche_Dialekte" title="Deutsche Dialekte">deutschen Dialekten</a> findet sich der Genitiv höchstens noch bei Personennamen und Verwandtschaftsbezeichnungen sowie in festen Wendungen. Eine Ausnahme stellen einige Mundarten des <a href="Walliserdeutsch" title="Walliserdeutsch">Walliser- und Walserdeutschen</a> dar, die zumindest noch bis in die jüngere Vergangenheit über einen vollumfänglich funktionsfähigen Genitiv verfügten.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Dialektal und umgangssprachlich weit verbreitet sind stattdessen Konstruktionen mit dem <a href="Dativ" title="Dativ">Dativ</a>, beispielsweise <i>dem Nachbarn sein Haus,</i> sowie die <a href="Pr%C3%A4position" title="Präposition">präpositionale</a> Umschreibung, insbesondere mit „von“, beispielsweise <i>das Haus vom Nachbarn</i>. Weitere Beispiele sind etwa kärntnerisch <i>Peta sei Våta</i> „Peter sein Vater“ oder <i>da Våta vom Peta</i> „der Vater vom Peter“; <i>unser’ Oma ihr klein’ Häuschen; dem Vater sein Auto</i> und <i>dem <a href="Ernst_Kuzorra" title="Ernst Kuzorra">Ernst Kuzorra</a> seine Frau ihr Stadion</i> (<a href="Johannes_Rau" title="Johannes Rau">Johannes Rau</a>). Solche Umschreibungen werden jedoch in der Standardsprache vermieden, da sie von der präskriptiven Grammatik als inkorrekt dargestellt werden.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Beide Umschreibungstypen sind in vielen germanischen Sprachen verbreitet; siehe im Folgenden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Der_Genitiv_im_Sprachvergleich">Der Genitiv im Sprachvergleich</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Englisch"><span id="Englisch_und_weitere_germanische_Sprachen_und_Dialekte"></span>Englisch</h3></div>
<p>Die <a href="Englische_Grammatik" title="Englische Grammatik">englische Grammatik</a> kennt besonders bei Personen und anderen Lebewesen einen Genitiv auf <i>s,</i> geschrieben <b>’s</b>, z. B. <i>Janie<b>’s</b> restaurant</i> ‚Janies Restaurant‘, <i>the dog<b>’s</b> leg</i> ‚das Bein des Hundes‘. Dieser wird auch <a href="S%C3%A4chsischer_Genitiv" title="Sächsischer Genitiv">sächsischer Genitiv</a> genannt, da er auf das Germanische beziehungsweise Altenglische zurückgeht. Die heutige Schreibung des englischen Genitivs unter Zuhilfenahme eines Apostrophs, etwa <i>father’s house</i> „Vaters Haus“, ist eine Umdeutung des mittels des Morphems <i>s</i> gebildeten Genitivs als Kontraktion des „his-Genitivs“ (<i>father his house</i> „Vater sein Haus“).
</p><p>Anders als im Deutschen kommt im Englischen auch ein Genitiv der Zeit vor: <i>today’s newspaper</i> ‚die Zeitung von heute‘, <i>next saturday’s party</i> ‚das Fest am nächsten Samstag‘, <i>a three-week’s journey</i> ‚eine dreiwöchige Reise‘.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Niederländisch"><span id="Niederl.C3.A4ndisch"></span>Niederländisch</h3></div>
<p>Im Niederländischen wird statt des Genitivs eine Präposition verwendet, etwa <i>de poot van de hond</i> ‚die Pfote des Hundes‘, wörtlich ‚von dem Hund‘. Fast nur bei Personen hat sich ein morphologischer Genitiv-<i>s</i> erhalten: <i>Peters kat</i> ‚Peters Katze‘, wobei stattdessen aber auch ähnliche Konstruktionen wie im Deutschen möglich sind: <i>de kat van Peter</i> ‚die Katze von Peter‘ (mit Präposition) und <i>Peter zijn kat</i> oder <i>Peter z’n kat</i> ‚Peter seine Katze‘ (Possessivkonstruktion).
</p><p>Weitere morphologische Genitive finden sich hauptsächlich in festen Fügungen.
</p>
<ul><li>Maskulin Singular sind etwa <i>vader des vaderlands</i> ‚Vater des Vaterlands‘, gemeint <a href="Wilhelm_I._(Oranien)" title="Wilhelm I. (Oranien)">Wilhelm von Oranien</a>, <i>Leger des Heils</i> ‚Heilsarmee‘, <i>heer/vrouw/zoon/dochter des huizes</i> ‚Herr/Frau/Sohn/Tochter des Hauses‘, <i>procureur des konings</i> ‚Staatsanwalt (in Belgien)‘, <i>Degen des Konings</i> ‚eine Auszeichnung für junge Militärpersonen (in Belgien)‘, <i>de tand des tijds</i> ‚der Zahn der Zeit‘, adverbiell auch <i>’s morgens</i> ‚am Morgen, morgens‘, <i>’s avonds</i> ‚am Abend, abends‘.</li>
<li>Feminin Singular sind etwa <i>in naam der wet</i> ‚im Namen des Gesetzes‘, <i>Woordenboek der Nederlandsche Taal</i> ‚Wörterbuch der niederländischen Sprache (Buchtitel)‘, <i>Het Rijk der Vrouw</i> ‚Das Reich der Frau (Titel einer Zeitschrift)‘, <i>Oorzaak onzer Blijdschap</i> ‚Ursache unserer Freude‘, Name einer Marienfigur in <a href="Tongern" title="Tongern">Tongern</a> (Limburg).</li>
<li>Im Plural kommt der Genitiv beispielsweise in den amtlichen Bezeichnungen <i>Koninkrijk der Nederlanden</i> ‚Königreich der Niederlande‘, <i>Hoge Raad der Nederlanden</i> ‚Höchstes Gericht‘, <i>Koning der Belgen</i> ‚König der Belgier‘, <i>Tweede kamer der Staten-Generaal</i> ‚Zweite Kammer des (niederländischen) Parlaments‘ und in Namen wie <i><a href="Londoner_Konferenz_(1838%E2%80%931839)" title="Londoner Konferenz (1838–1839)">Verdrag der XXIV Artikelen</a></i> ‚Vertrag der 24 Artikel‘ vor, sodann in der <i><a href="Braban%C3%A7onne" title="Brabançonne">Nationalhymne</a>: O heilig land der vaad’ren!</i> ‚o heiliges Land der Väter‘ und in Wendungen wie <i>in de loop der eeuwen</i> ‚im Laufe der Jahrhunderte‘, <i>het beste boek aller tijden</i> ‚das beste Buch aller Zeiten‘ oder <i>de moeder aller oorlogen</i> ‚die Mutter aller Kriege‘; manchmal tritt er auch frei auf: <i>aankomst en vertrek der treinen</i> ‚Ankunft und Abfahrt der Züge‘.</li>
<li>Die gehobene Schriftsprache kennt überdies die genitivischen Relativpronomen <i>diens</i> ‚dessen‘ und <i>wiens</i> ‚wessen‘. Die femininen Formen von <i>diens, wiens</i> sind <i>dier, wier,</i> welche aber veraltet sind und kaum mehr verwendet werden. Heutzutage gelten <i>diens</i> und <i>wiens</i> sowohl für männliche als auch für weibliche Personen.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Afrikaans">Afrikaans</h3></div>
<p>Das <a href="Afrikaans" title="Afrikaans">Afrikaans</a>, eine Tochtersprache des Niederländischen, verhält sich ähnlich wie dieses: Der herkunftsanzeigende Genitiv wird durch Umschreibung mit <i>van</i> ersetzt (<i>die boeke van Gordimer</i> ‚Gordimers Bücher‘ im Sinne von ‚die Bücher, die von Gordimer geschrieben wurden‘), der besitzanzeigende Genitiv durch Nachstellung eines aus <i>sy</i> ‚sein‘ entwickelten <i>se</i> (<i>die man se hond</i> ‚der Hund des Mannes‘; <i>die man wat ek gister gesien het se hond</i> ‚der Hund des Mannes, den ich gestern sah‘).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Skandinavisch/Nordgermanisch"><span id="Skandinavisch.2FNordgermanisch"></span>Skandinavisch/Nordgermanisch</h3></div>
<p>Im Dänischen, Schwedischen und in der norwegischen Varietät Bokmål findet der Genitiv auf standardsprachlicher Ebene konsequente Verwendung und wird durch Anhängen eines <i>-s</i> ausgedrückt: dänisch, schwedisch und norwegisch <i>min fars bil</i> (wörtlich 'meines Vaters Auto'). Wie im Englischen steht der Genitiv vor dem Nominativ, eine Konstruktion, die im Deutschen archaisch ist: <i>meines Vaters Auto</i>. Im Isländischen tendiert der Genitiv zur Nachstellung: isländisch <i>bíll föður míns,</i> wobei es hier bei manchen Wörtern zu einem Umlaut beim Genitiv kommt: isländisch <i>faðir</i> ‚Vater‘ (Nom.), aber <i>föður</i> ‚(des) Vaters‘ (Gen.).
</p><p>Im Dänischen, Schwedischen und Norwegischen sind auf dialektaler und umgangssprachlicher, aber auch auf schriftsprachlicher Ebene jedoch ebenfalls Umschreibungen geläufig. So ist beispielsweise für deutsch „das Dach des Hauses“ präpositionales <i>taket på huset</i> (wörtlich ‚das Dach auf dem Haus‘) durchaus üblich. Auch die Possessivkonstruktion, etwa <i>far sin hat</i> „Vaters Hut“ beziehungsweise „Vater sein Hut“, ist im Norwegischen frequent; sie ist aus dem <a href="Niederdeutsche_Sprache" title="Niederdeutsche Sprache">Niederdeutschen</a> gekommen und wird in Norwegen deshalb als <i>garpegenitiv</i> „Genitiv nach Art der in Bergen niedergelassenen Hanseaten“ bezeichnet.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Romanische_Sprachen">Romanische Sprachen</h3></div>
<p>Im klassischen Latein gab es neben dem Genitiv fünf weitere Fälle. In der Entwicklung zu den romanischen Sprachen wurde dieses Kasussystem weitgehend reduziert, sodass in den mittelalterlichen Sprachen nur noch eine <a href="Zweikasusflexion" title="Zweikasusflexion">Zweikasusflexion</a> übrig blieb, deren Existenz in keinem der Frühstadien der Sprachen ausgeschlossen werden kann, auch wenn sie nur im Altfranzösischen, Altprovenzalischen, Altvenezianischen und Alträtoromanischen nachgewiesen ist. Der Genitiv wird im Altfranzösischen neben bleibenden Flexionsendungen durch die Wortstellung ausgedrückt, etwa altfranzösisch <i>le fils le roi</i> ‚der Sohn des Königs‘. Derartige Wendungen sind etwa auch im Altspanischen oder Altitalienischen überliefert, wenn sich Nominativ und Genitiv auf Personen oder personifizierte Dinge beziehen, etwa altitalienisch <i>il porco Sant’Antonio</i> in Dantes <i>Divina Commedia</i>, das mit ‚das Schwein des Heiligen Antonius‘ zu übersetzen ist. Im Neuitalienischen würde <i>il porco</i> jedoch als Attribut verstanden werden, also ‚das Schwein Heiliger Antonius‘, da die ohnehin im Altitalienischen schon literarisch und archaisch geltende genitivische Konstruktion nicht mehr erkannt wird.
</p><p>In den modernen romanischen Sprachen gibt es (mit Ausnahme des Rumänischen, siehe unten, und abgesehen von den Pronomina) keine Nominalflexion mehr. Genitivische Konstruktionen werden mit Hilfe einer Präposition ausgedrückt, meist 'X + Präposition ‚von‘ (+ Artikel) + Y': französisch <i>la maison du père,</i> italienisch und spanisch <i>la casa del padre,</i> portugiesisch <i>a casa do pai,</i> friaulisch <i>la cjase del pari,</i> katalanisch <i>la casa del pare</i> etc. ‚das Haus des Vaters‘ (wörtlich ‚das Haus vom Vater‘). Die Präposition, die hier verwendet wird, ist die Entsprechung von deutsch ‚von‘, nämlich <i>de</i> bzw. <i>di.</i> Im umgangssprachlichen Französisch hat sich auch eine alte Form des possessiven Dativs mit der Präposition <i>à</i> (von lateinisch <i>ad</i>) erhalten, etwa <i>le père à Jean</i> ‚der Vater von Jean‘ (im Sinne von ‚der zu Jean gehörige Vater‘).
</p><p>Einen Sonderstatus innerhalb der romanischen Sprachen nimmt das Rumänische ein, das als einzige Tochtersprache des Lateinischen über eine Deklination verfügt, wobei zum einen Nominativ und Akkusativ zusammenfallen und zum anderen Genitiv und Dativ (außerdem gibt es einen nicht syntaxrelevanten Vokativ): rumänisch <i>casă</i> ‚Haus‘ (Nom./Akk.) vs. <i>case</i> ‚(des) Hauses‘ und ‚(dem) Haus(e)‘ (Gen./Dat.). Das oben gebrachte Beispiel ‚das Haus des Vaters‘ lautet auf Rumänisch <i>casa tatălui</i> (wobei <i>-a</i> (Nom.) und <i>-lui</i> (Gen.) nachgestellte Artikel sind). Im umgangssprachlichen Rumänisch ist auch die in den anderen romanischen Sprachen grammatikalisierte Umschreibung mit der komplexen Präposition <i>de la</i> statt des Genitivs geläufig, also etwa <i>intrarea de la hotel</i> ‚der Eingang vom Hotel‘ statt <i>intrarea hotelului</i> ‚der Eingang des Hotels‘. Eine Feinheit hierzu ist, dass eine Konstruktion mit der Präposition <i>de</i> in die Wortbildung fällt, während <i>de la</i> genitivisch zu interpretieren ist: <i>intrarea de hotel</i> ‚Hoteleingang‘ vs. <i>intrarea de la hotel / intrarea hotelului</i> ‚Eingang des Hotels‘.
</p><p>Einige moderne romanische Sprachen erhalten eine Art Genitiv bei Relativpronomen, etwa das Französische mit <i>dont</i> (von lateinisch <i>de unde</i> ‚woher‘) sowie das Spanische mit <i>cuyo(s), cuya(s)</i> und das Portugiesische mit <i>cujo(s), cuja(s)</i> (von lateinisch <i>cuius</i> ‚wessen‘): französisch <i>l’homme dont je sais le nom,</i> spanisch <i>el hombre cuyo nombre sé,</i> portugiesisch <i>o homem cujo nome sei</i> ‚der Mann, dessen Namen ich weiß‘.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Litauisch">Litauisch</h3></div>
<p>Im <a href="Litauische_Sprache" title="Litauische Sprache">Litauischen</a> wird der Genitiv unter anderem dazu benutzt, im <a href="Diathese_(Linguistik)" title="Diathese (Linguistik)">Passiv</a> das <a href="Agens_(Linguistik)" title="Agens (Linguistik)">Agens</a> einzuführen:<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<pre><i>Sveči-ai yra tėv-o kvieči-am-i</i>
Gäste-nom.pl AUX.präs Vater-gen eingeladen-nom.pl.masc
„Von Vater werden Gäste eingeladen.“
</pre>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: Possessive Satzkonstruktion</div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Slawische_Sprachen">Slawische Sprachen</h3></div>
<p>Die slawischen Sprachen sind stark flektierende Sprachen mit sechs bis acht Fällen (sehr stark reduziert nur im Bulgarischen und Mazedonischen). Der Genitiv wird hier konsequent zum Anzeigen des Besitzes verwendet, wobei sich die Deklination auch auf Eigennamen ausbreitet, etwa tschechisch <i>film Alfreda Hitchcocka</i> 'ein Film von Alfred Hitchcock / ein Film Alfred Hitchcocks'. In der Satzsyntax steht der Nominativ in der Regel vor dem Genitiv. Ein Ausdruck wie deutsch <i>das Buch des Vaters</i> würde etwa in verschiedenen slawischen Sprachen so wiedergegeben werden: polnisch <i>książka ojca</i>, slowenisch <i>knjiga očeta</i>, belarussisch <i>кніга бацькі</i> (kniga baćki), russisch <i>книга отца</i> (kniga ottsa). Manchmal können stattdessen aber auch Relationsadjektive verwendet werden wie in tschechisch und slowakisch <i>otcova kniha</i>, slowenisch <i>očetova knjiga</i>, kroatisch <i>očeva knjiga</i> (wörtlich: 'das väterliche Buch').
</p><p>In der <a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">russischen Sprache</a> erfordern die Zahlwörter <i>два, три</i> und <i>четыре</i> („zwei“, „drei“ und „vier“) den Genitiv Singular, der in diesem Kontext ursprünglich ein Dual war. Мне два года. – <i>Ich bin zwei Jahre alt</i>. Zahlen von fünf bis zwanzig fordern den Genitiv Plural, einundzwanzig den <a href="Nominativ" title="Nominativ">Nominativ</a>, weil die Zahl auf eins endet, zweiundzwanzig bis vierundzwanzig wieder den Genitiv Singular (Мне двадцать два года. – <i>Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt.)</i> Es folgt wieder Genitiv Plural bis 30, es wiederholt sich alles bei jeder weiteren Dekade bis hundert. Ab hundertundeins findet dann die nominative Deklinationsform Verwendung.
Im Russischen und mehreren anderen slawischen Sprachen, z. B. im <a href="Slowenische_Sprache" title="Slowenische Sprache">Slowenischen</a>, wird die genitivische Deklinationsform statt des Akkusativs (aber nicht anderer Fälle) in negierten Sätzen benutzt.
</p><p>Im Bulgarischen und Mazedonischen werden Konstruktionen mit Präpositionen verwendet: bulgarisch <i>книгата на бащата</i> (knigata na bashtata, wörtlich 'Buch-das von Vater-der' (mit nachgestelltem Artikel)), mazedonisch <i>книгата на таткото</i> (knigata na tatkoto).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Hebräisch"><span id="Hebr.C3.A4isch"></span>Hebräisch</h3></div>
<p>Im Hebräischen wird der Genitiv durch Verwendung einer Kombination aus <a href="Status_constructus" title="Status constructus">Status constructus und Status absolutus</a> gebildet. Hierbei wird jedoch nicht das nomen rectum, sondern das nomen regens verändert. Genau genommen bleibt in der Kette von Substantiven allein das letzte (ganz linke) als Nomen rectum im Status absolutus, während alle vorhergehenden, die damit näher bestimmt werden, in den Status constructus überführt und somit verändert werden. Siehe hierzu <a href="Ivrit#Status_constructus" title="Ivrit">Ivrit#Status constructus</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Funktionen_des_Genitivs">Funktionen des Genitivs</h2></div>
<p>Der Genitiv bezeichnet vom Begriff her den Ursprung, die Quelle, oder Herkunft des damit näher bezeichneten Gegenstandes. Im Einzelnen können dabei jedoch sehr unterschiedliche Funktionen auftreten, die in unterschiedlichen Sprachtraditionen teilweise unbekannt sind. Dadurch kann es bei Übersetzungen leicht zu ausgeprägten Bedeutungsverschiebungen kommen. Aus diesem Grund finden sich Auflistungen dieser Funktionen auch in Fachbüchern zum Fremdsprachenerwerb.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auf der Grundlage der lateinischen Grammatiktradition werden in Gruppen folgende Funktionen des Genitivs unterschieden:
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Genitivus_verus_rationis">Genitivus verus rationis</h3></div>
<p>In seiner Hauptfunktion drückt der Genitiv Beziehungen aus, die sich weiter unterteilen lassen:
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Genitivus_pertinentiae">Genitivus pertinentiae</h4></div>
<p>(zu <span lang="la">pertinere</span>, deutsch: betreffen, sich erstrecken, anbelangen, angehen, beeinflussen, sich beziehen, sich beziehen auf) Zu dieser Gruppe gehören folgende Genitiv-Funktionen:
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_appositivus">Genitivus appositivus</h5></div>
<p>„Zusatz-Genitiv“ Als Beispiel ist hier basierend auf dem Koine-Griechischen der Begriff der „Wahrheit Gottes“ zu nennen. Dabei geht es in <a href="Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer" title="Brief des Paulus an die Römer"><span style="white-space:nowrap;">Röm.</span></a> 1,25 gerade auch im Zusammenhang weder um die Wahrheit, die von Gott (gemeint ist der der Christen) ausgeht (<a href="Genitivus_auctoris" class="mw-redirect" title="Genitivus auctoris">auctoris</a>), noch um jene, die über Gott verbreitet wird (<a href="#Genitivus_materiae">materiae</a>), noch um eine, die seinem Wesen eigentümlich ist (würde eher als <a href="#Genitivus_possessivus">G. possesoris</a> bezeichnet), sondern um eine Wahrheit, die Gott <i>ist</i>. (Vgl. <a href="Evangelium_nach_Johannes" title="Evangelium nach Johannes"><span style="white-space:nowrap;">Joh.</span></a> 14,6 )<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_auctoris">Genitivus auctoris</h5></div>
<p>„Genitiv des Urhebers“ Dieser Genitiv beschreibt, den Autor, Erfinder, Hersteller, Urheber, bzw. Ursprung einer Sache. Beispiel: „Beethovens 1. Symphonie“
</p><p>Frage: „<i><u>Wessen</u> Geräusche sind zu hören?</i>“<br>
Antwort: „<i>Die Geräusche</i> <b>des Autos</b> sind zu hören.“
</p><p>Frage: „<i><u>Wessen</u> Duft kannst du riechen?</i>“<br>
Antwort: „Ich kann <i>den Duft</i> <b>der Blumen</b> riechen.“
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_explicativus">Genitivus explicativus</h5></div>
<p>„erläuternder Genitiv“, auch <b>Genitivus definitivus</b> „Definitionsgenitiv“, <b>Genitivus epexegeticus</b> „erklärender Genitiv“ (von gr. ἐπεξηγέομαι „erklären“). Dieser Genitiv liefert eine nähere Erklärung bzw. Definition seines Beziehungsworts. Dabei wird keine Eigenschaft zugeschrieben, sondern eine Identität hergestellt:
</p><p>„Strahl der Hoffnung“ (die Hoffnung <i>ist</i> der leuchtende Strahl),
</p><p>„die Strafe der Verbannung“ (die Strafe <i>besteht in</i> der Verbannung),
</p><p>„die Gabe der Zufriedenheit“ (die Zufriedenheit <i>ist</i> die Gabe),
</p><p>„der Wahnsinn des Kriegs“ (der Krieg <i>ist</i> der gemeinte Wahnsinn).
</p><p><br>
Frage: <i>„<b>Welche</b> Strafe?“</i>
</p><p>Antwort: <i>„Die Strafe <b>der Verbannung</b>.“</i>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_materiae">Genitivus materiae</h5></div>
<p>„Genitiv des Gegenstands“ Dieser Genitiv beschreibt den Gegenstand einer Betrachtung, Beschreibung, Unterhaltung etc., also das sprachliche, oder gedankliche Gegenstück zu einer realen Sache. Beispiel: „Lexikon der Bilder“
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_obiectivus">Genitivus obiectivus</h5></div>
<p>Das Genitiv-Attribut ist Ziel einer Handlung: „Beachtung des Gesetzes“, „die Bestrafung des Verräters“ (Siehe Hauptartikel <a href="Genetivus_obiectivus" title="Genetivus obiectivus">Genetivus obiectivus</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_possessivus,_auch_Genitivus_possessoris"><span id="Genitivus_possessivus.2C_auch_Genitivus_possessoris"></span><span id="Genitivus_possessivus"></span>Genitivus possessivus, auch Genitivus possessoris</h5></div>
<p>Hierbei handelt es sich um Wortgruppen, die ein <a href="Eigentum" title="Eigentum">Eigentums</a>- oder <a href="Besitz" title="Besitz">Besitzverhältnis</a> ausdrücken (possessives Objekt). In der Wortgruppe <i>das Haus des Nachbarn</i> ist <i>des Nachbarn</i> ein solcher Genitiv. Mit der Frage „Wessen Haus ist das?“ kann das Genitivattribut bestimmt werden. In der <a href="Universalienforschung" class="mw-redirect" title="Universalienforschung">Universalienforschung</a> wird Genitivus possessivus auch als <i>Possessivmarkierung</i> bezeichnet.
</p><p>Frage: <i><u>Wessen</u> Mobiltelefon klingelt?</i><br>
Antwort: „<b>Marias</b> <i>Mobiltelefon</i> klingelt.“
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_pretii">Genitivus pretii</h5></div>
<p>Mit dem Koine-griechischen Genitiv-Demonstrativpronomen <span lang="grc-Grek" class="Grek">τοσούτου</span> wird ein Verkaufspreis angegeben. Es gehört zu einem Verb, bei dem ein Wert interessant ist. Beispiel: <span lang="grc-Grek" class="Grek">εἰ <b>τοσούτου</b> τὸ χωρίον ἀπέδοσθε;</span>, deutsch: ‚habt ihr das Gut <b>um so viel</b> verkauft?‘ (<a href="Apostelgeschichte_des_Lukas" title="Apostelgeschichte des Lukas"><span style="white-space:nowrap;">Apg</span></a> 5,8 ). Andere Übersetzungen sind: ‚für so viel‘, ‚zu diesem Preis‘ etc.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_qualitatis">Genitivus qualitatis</h5></div>
<p>Der Genitiv der Beschaffenheit bzw. der Eigenschaft bezeichnet eine Eigenschaft: „Ticket zweiter Klasse“, „eine Freude kurzer Dauer“.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_subiectivus">Genitivus subiectivus</h5></div>
<p>Das Genitiv-Attribut ist Quelle einer Handlung: „der Rat des Freundes“, „die Reaktion des Körpers“.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Genitivus_partitivus">Genitivus partitivus</h4></div>
<p>Dieser Genitiv drückt eine Beziehung des Anteils aus: „die Hälfte des Kuchens“, „zwei der Töchter“, „der älteste Sohn der Familie“, „die andere Seite der Medaille“, „der Süden des Landes“. Ein zutreffenderer, aber weniger verbreiteter Name ist <i>genitivus totius,</i> da der Genitiv das Ganze bezeichnet, von dem ein Teil weggenommen wird.
</p><p>Frage: „<i><u>Wessen</u> Blätter liegen auf dem Boden?</i>“<br>
Antwort: „<i>Die Blätter</i> <b>des Baumes</b> liegen auf dem Boden.“
</p><p>Frage: „<i><u>Wessen</u> Dach brennt?</i>“<br>
Antwort: „<b>Des kleinen, roten Hauses</b> <i>Dach</i> brennt.“ <small><i>(veraltet)</i></small>
</p><p>Auch dieser Genitiv lässt sich oft genauer spezifizieren, als:
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_quantitatis">Genitivus quantitatis</h5></div>
<p>Dieser Genitiv beschreibt die Sache, deren Menge angegeben wird. Beispiel: <i>eine Flasche (besten) Weines</i> oder <span lang="la"><i>modius salis</i></span> ‚ein Scheffel Salz‘.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Genitivus_post_verba">Genitivus post verba</h4></div>
<p>Dieser Genitiv unterscheidet sich vom <a href="#Genitivus_obiectivus">G. obiectivus</a> dadurch, dass das Verb der Handlung nicht substantiviert ist. Beispiel: <i>Ich erfreue mich der Blumen.</i> Auch handelt es sich bisweilen gleichzeitig um einen <a href="#Genitivus_temporis">G. temporis</a>, Beispiel: <i>wir ruhen des Nachts.</i>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading5"><h5 id="Genitivus_criminis">Genitivus criminis</h5></div>
<p>Der Begriff ist der Verwendung in Rechtsangelegenheiten entlehnt und beschreibt diesen Genitiv über sein Sprachfeld. Beispiel: <i>Der Kläger bezichtigt den Beklagten einer Tat.</i>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Genitivus_temporis">Genitivus temporis</h4></div>
<p>Genitiv der Zeit: Mit diesem Genitiv wird ein Zeitrahmen beschrieben, unabhängig davon, ob es sich dabei möglicherweise auch um einen <a href="#Genitivus_post_verba">G. post verba</a> handelt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Genitivus_initii_/_comparationis"><span id="Genitivus_initii_.2F_comparationis"></span>Genitivus initii / comparationis</h3></div>
<p>Dies ist der Genitiv der Rangfolge und anderer Vergleiche Funktionen hiervon sind:
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Genitivus_comparationis">Genitivus comparationis</h4></div>
<p>Wörtlich „Vergleichsgenitiv“. Dieser Genitiv gibt wieder, mit wem man jemanden verglichen hat. Ein Beispiel im <a href="Koine" title="Koine">Koine-Griechischen</a> ist <span lang="grc-Grek" class="Grek">Ὁ ὀπίσω <i>μου</i> ἐρχόμενος ἔμπροσθέν <i>μου</i> γέγονεν, […]</span>, deutsch: ‚Der nach mir kommt, ist vor mir gewesen, […]‘ (<a href="Evangelium_nach_Johannes" title="Evangelium nach Johannes"><span style="white-space:nowrap;">Joh</span></a> 1,15 ). Die Frage lautet hier sinngemäß: „<u>Wessen</u> Nachfolger ist <u>wessen</u> Vorgänger?“, und das Personalpronomen <i>μου</i> im Genitiv antwortet mit „von mir“ bzw. „im Vergleich zu mir“.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Genitivus_separationis">Genitivus separationis</h4></div>
<p>Wörtlich „Hinwegnahme-Genitiv“. Dieser Genitiv gibt wieder, wovon etwas entfernt wird.
Ein Beispiel im <a href="Koine" title="Koine">Koine-Griechischen</a> ist […], <span lang="grc-Grek" class="Grek">ἐγὼ δὲ <i>ὑμῶν</i> φείδομαι</span> (deutsch: ‚[…], was ich <i>euch</i> ersparen will‘).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Genitivus_superlativus,_auch_Genitivus_hebraicus_oder_Paronomastischer_Intensitätsgenitiv"><span id="Genitivus_superlativus.2C_auch_Genitivus_hebraicus_oder_Paronomastischer_Intensit.C3.A4tsgenitiv"></span><span id="Genitivus_superlativus"></span>Genitivus superlativus, auch Genitivus hebraicus oder Paronomastischer Intensitätsgenitiv</h4></div>
<p>Der <a href="Paronomasie#Intensitätsgenitiv" title="Paronomasie">paronomastische Intensitätsgenitiv</a> steigert die Bedeutung des Objekts und drückt seinen höchsten Grad aus: „das <a href="Spiel_der_Spiele" class="mw-redirect" title="Spiel der Spiele">Spiel der Spiele</a>.“
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Transitivit%C3%A4t_(Grammatik)" title="Transitivität (Grammatik)">Transitivität (Grammatik)</a></li>
<li><a href="Der_Dativ_ist_dem_Genitiv_sein_Tod" class="mw-redirect" title="Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod">Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Genitiv" class="extiw external" title="wikt:Genitiv">Wiktionary: Genitiv</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Genitivattribut" class="extiw external" title="wikt:Genitivattribut">Wiktionary: Genitivattribut</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Genitivobjekt" class="extiw external" title="wikt:Genitivobjekt">Wiktionary: Genitivobjekt</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Die Verwendung des Dativs wohl befürwortend, aber als umstritten darstellend: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.canoonet.eu/services/OnlineGrammar/Wort/Praeposition/Kasus/Genitiv.html#Anchor-wegen-58500"><i>Präpositionen mit Genitiv,</i> Stichwort „wegen“</a>, Canoonet</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.duden.de/rechtschreibung/wegen"><i>wegen</i></a> und <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.duden.de/rechtschreibung/trotz"><i>trotz</i></a> auf duden.de.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/auf-deutsch-gesagt-problemfall-wem-fall/1162434.html"><i>Brigitte Grunert: Problemfall Wem-Fall</i></a> in <i><a href="Der_Tagesspiegel" class="mw-redirect" title="Der Tagesspiegel">Der Tagesspiegel</a>,</i> 10. Februar 2008, abgerufen am 20. April 2016.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Hans_Bickel_(Linguist)" title="Hans Bickel (Linguist)">Hans Bickel</a>, <a href="Christoph_Landolt" title="Christoph Landolt">Christoph Landolt</a>: <i>Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz.</i> 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl. Hrsg. vom Schweizerischen Verein für die deutsche Sprache. Dudenverlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-411-70418-7, S. 105.</span>
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<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Müller: <i>Das Wörterbuch deutscher Präpositionen.</i> 2013, S. 2199</span>
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<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf">Überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks (2006).</a> (PDF) Rat für deutsche Rechtschreibung</span>
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<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GW17265#XGW17265"><i>wer</i>.</a> In: Jacob und Wilhelm Grimm: <i><a href="Deutsches_W%C3%B6rterbuch" title="Deutsches Wörterbuch">Deutsches Wörterbuch</a></i></span>
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<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. etwa Marco Bauen: <i>Sprachgemischter Mundartausdruck in <a href="Rimella" title="Rimella">Rimella</a> (Valsesia, Piemont). Zur Syntax eines südwalserischen Dialekts im Spannungsfeld der italienischen Landes- und Kultursprache</i> (= <i>Sprache und Dichtung.</i> Band 28). Haupt, Bern/Stuttgart 1978; <a href="Walter_Henzen" title="Walter Henzen">Walter Henzen</a>: <i>Der Genitiv im heutigen Wallis.</i> In: <i>Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur</i> 56, 1931, S. 91–138 (betreffend den Dialekt des <a href="L%C3%B6tschental" title="Lötschental">Lötschentals</a>); Renato Perinetto: <i>Eischemer’s Büjie.</i> San Valentino 1981 (Deklinationslehre der Mundart von <a href="Issime" title="Issime">Issime</a>); Gabriela Bart: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/193339/1/Bart_Gabriela_Dissertation.pdf"><i>Possessivkonstruktionen im Schweizerdeutschen mit besonderer Berücksichtigung des possessiven Genitivs im Lötschental VS.</i></a> Dissertation Universität Zürich 2020.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Gisela_Zifonun" title="Gisela Zifonun">Gisela Zifonun</a>: <i>Dem Vater sein Hut: Der Charme des Substandards und wie wir ihm gerecht werden.</i> In: <i>Deutsche Sprache</i> 31/2, 2003, S. 97–126.</span>
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<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. <i>Bokmålsordboka/Nynorskordboka,</i> Lemma <a rel="nofollow" class="external text" href="https://ordbok.uib.no/perl/ordbok.cgi?OPP=garpegenitiv&ant_bokmaal=5&ant_nynorsk=5&begge=+&ordbok=begge"><i>garpegenitiv</i></a>.</span>
</li>
<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Beispiel aus: Birutė Spraunienė et al.: <i>Solving the puzzle of the Lithuanian passive.</i> In: Axel Holvoet, Nicole Nau (eds.): <i>Voice and Argument Structure in Baltic.</i> John Benjamins, Amsterdam 2015. ISBN 978-90-272-5910-3. S. 332.</span>
</li>
<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Z. B. Werner Stoy, Klaus Haag, Wilfried Haubeck: <cite style="font-style:italic">Bibelgriechisch leicht gemacht</cite>. Lehrbuch des neutestamentlichen Griechisch. 10. Auflage. TVG Brunnen, Gießen 2015, ISBN 978-3-7655-9312-3, Tabellen Satzlehre, <span style="white-space:nowrap">S. 292</span> (Erstausgabe: 1993).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abookitem&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Genitiv&rft.atitle=Tabellen+Satzlehre&rft.au=Werner+Stoy%2C+Klaus+Haag%2C+Wilfried+Haubeck&rft.btitle=Bibelgriechisch+leicht+gemacht&rft.date=2015&rft.edition=10&rft.genre=bookitem&rft.isbn=9783765593123&rft.place=Gie%C3%9Fen&rft.pub=TVG+Brunnen" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">Johannes Woyke: <i>Götter, „Götzen“, Götterbilder - Aspekte einer paulinischen ‘Theologie der Religionen’.</i> Walter de Gruyter, Berlin 2005.</span>
</li>
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